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Die verbotene Stadt Wünsdorf

Kinosaal Haus der Offiziere - die verbotene Stadt Wünsdorf in Brandenburg Theatersaal

Beim Besuch der verbotenen Stadt Wünsdorf handelt es sich um einen Legal Visit. Dies bedeutet, dass es sich um eine Begehung mit Erlaubnis des Eigentümers handelt. Von jeglichen anderen unautorisierten Besuchen ist dringend abzuraten, denn vor Ort befinden sich zahlreiche Kameras und ein 24h Wachschutz. Dieser ist permanent auf dem Gelände präsent, um den verlassenen Ort vor Vandalismus zu schützen. Gemeinsam mit einem Film-Team, welches im Auftrag von Galileo – PRO 7 vor Ort war, entstanden ganze besondere Eindrücke zu diesem Lost Place. Des Weiteren leistete Frau Rademacher, die Leiterin der Bücherstadt GmbH, Unterstützung zu den geschichtlichen Hintergründen.* Der Video-Beitrag von Galileo ist unterhalb der Foto-Galerie verlinkt.

Die verbotene Stadt Wünsdorf

Warum wird Wünsdorf eigentlich als verbotene Stadt bezeichnet? Nach Kriegsende 1945 wurde Wünsdorf zum Standort des Oberkommandos der Sowjet-Streitkräfte in der ehemaligen DDR. Somit wurden bis zu 35.000 Sowjets in Wünsdorf stationiert. Folglich wurden hier Geschäfte, eine Brotfabrik, Schulen, ein Krankenhaus und sogar ein Theater errichtet. Hierdurch schufen sich die Sowjets ein eigenständiges Städtchen in Brandenburg. Sogar eine direkte Eisenbahnlinie nach Moskau erbauten die Besatzer. Die Bezeichnung verbotene Stadt wurde einst in der Bevölkerung der DDR gebräuchlich. Dieser wurde nämlich fortan der Zugang nach Wünsdorf verwehrt. Der Begriff verbotene Stadt hält sich allerdings bis heute.

Die Bunkeranlagen der Nazis

Bei den besuchten Bunkeranlagen handelte es sich um Maybach I und Zeppelin. Maybach I waren die ehemaligen Generalstabsbunker des Oberkommandos des Deutsches Heeres im Dritten Reich. Folglich wurden sie nach der Besatzung durch die Sowjets nahezu komplett zerstört. Einst waren alle Bunker dieser Anlage unterirdisch miteinander verbunden. Allerdings waren sie oberirdisch zur Zeit ihrer Nutzung als Landhäuser getarnt. Bei der Bunkeranlage Zeppelin handelte es sich um einen 14.700 qm großen Nachrichtenbunker. Von hieraus erfolgte die komplette Kommunikation im 2. Weltkrieg. Jeglicher Marschbefehl stammte aus diesem Bunker. Zeppelin war ebenfalls unterirdisch mit der Anlage Maybach I verbunden. Im Bunker herrschten konstante 9 Grad Celsius unter Tage. Bei 35 Grad Außentemperatur an jenem Tag nahezu frostig.

Das Haus der Offiziere

Besonders bekannt für die verbotene Stadt Wünsdorf ist das Haus der Offiziere. Direkt davor errichteten die sowjetischen Besatzer damals eine Lenin-Statue. Diese befindet sich auch heute noch dort. Doch das Haus der Offiziere umfasst nicht nur das Hauptgebäude. Vielmehr ist es ein ganzer Gebäudekomplex. Erbaut wurde dieser Komplex ursprünglich als kaiserliche Sportschule. Anschließend entstanden ab 1910 an diesem Ort zahlreiche Kasernenanlagen samt Truppenübungsplätzen. Später, 1913 kam eine Infanterieschule hinzu. Schließlich wurden 1936 die bestehenden Anlagen für das Training der deutschen Olympia-Mannschaft genutzt. Zur dieser Zeit entstand die wunderschöne Militär-Badeanstalt. Diese ist heute noch vorhanden. Aus der ehemaligen Turnhalle entstand im Zuge der sowjetischen Nutzung ein Theatersaal. Die gepolsterten Stühle verleihen diesem noch immer ein ganz besonderes Flair.

Eine lohnenswerte Zeitreise

Die verbotene Stadt in Wünsdorf ist ein Lost Place der einen Besuch definitiv wert ist. Viele geschichtliche Hintergründe aus verschiedenen Abschnitten der letzten 120 Jahre treffen hier aufeinander. Vom Kaiserreich, über den 1. und 2. Weltkrieg, bis hin zur russischen Besatzung im Kalten Krieg, wurden in Wünsdorf viele Spuren hinterlassen. Die Verbotene Stadt ist ein sagenhafter verlassener Ort der noch immer sehr gut erhalten ist.


ZUM VIDEO-BEITRAG VON Galileo


* Führungen in Wünsdorf werden unter anderem über die Bücher- und Bunkerstadt Wünsdorf angeboten.